Entstehung und Entwicklung transnationaler Kommunikationsräume in Europa zu Kriegszeiten, 1914-1945

  • Barbara Lambauer

Abstract

Das Themenheft ist dem Einfluss von Kriegen auf die Entwicklung transnationaler Erfahrungs- und Kommunikationsräume während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa gewidmet. Während die europäischen Kriege und Bürgerkriege in diesem Zeitraum prinzipiell für den Rückzug auf nationale bzw. nationalistische Positionen standen, ergab sich aus der zunehmenden Verdichtung europäischer Erfahrungs- und Kommunikationsräume in Zeiten existentieller Unsicherheit und Bedrohung auch die Stärkung transnationaler Bezüge und Netzwerke.

Die in diesem Themenheft präsentierten mikrohistorischen Fallstudien zeigen die Bedeutung der Peripherie, von Lagern, von Widerstand und Exil, von gemeinsamer Teilhabe an kultureller Produktion sowie von Infrastrukturen für die Untersuchung derartiger Bezüge und Netzwerke. Sie belegen exemplarisch die Entstehung und Entwicklung europäischer Strukturen, Konvergenzen und Öffentlichkeiten während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die für die weitere europäische Entwicklung nicht folgenlos geblieben sind. Das Themenheft bietet damit Ansätze für ein gebrochenes Europäisierungsnarrativ, in dem Divergenz als konstitutives und nicht als lediglich retardierendes Element verstanden wird, und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung von transnationalen Einflussfaktoren in der Historiographie zu den europäischen Kriegen im 20. Jahrhundert.

The thematic issue is devoted to the influence of war on the emergence of new transnational communication spheres and experiences during the first half of the 20th century in Europe. While the interstate and civil wars during this period stand generally for a withdrawal to national or nationalistic positions, we can simultaneously observe increasing intertwining and convergence of European experiences that strengthened transnational references and networks during times of existential insecurity and threat.
The case studies presented here reveal the importance, for the study of such references and networks, of peripheral regions, detention camps, resistance and exile, the participation in collective cultural production and the construction of common infrastructure. In an exemplary manner, they o er evidence for the emergence of trans-European structures, convergences and public spheres during the rst half of the 20th century that remained not without conse- quences for later developments. Thus, the thematic issue’s intention is to propose approaches for a broken Europeanisation narrative, in which divergence appears as constitutive – and not only restraining – element. In this way, it calls for a stronger consideration of transnational influences in the historiography of European wars during the 20th century.

 

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Published

10. July 2018

How to Cite

Lambauer, B. (2018). Einleitung: Entstehung und Entwicklung transnationaler Kommunikationsräume in Europa zu Kriegszeiten, 1914–1945. Comparativ, 28(1), 7-15. Retrieved from https://www.comparativ.net/v2/article/view/2811