Border Research in a Global Perspective

Regional Dimensions of A New Neighbourhood with PostCommunist Russia

  • Ilkka Liikanen

Abstract

Der Aufsatz untersucht die sich überlagernden Territorialisierungsmuster in der Finnisch-Russischen Grenzregion. Dabei wird den Friktionen zwischen diesen verschiedenen Mustern im Rahmen von EU-Politiken vor dem Hintergrund sich wandelnder historischer Formen supranationaler, nationaler und regionaler Territorialisierung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das Fallbeispiel Karelien stand als historische Region für mehr als tausend Jahre im Zentrum von Auseinandersetzungen rivalisierender Projekte der Staats- und Nationenbildung im europäischen Norden. Der Aufsatz untersucht u. a., welche Rolle dieses historische Erbe in der Regionalpolitik der Europäischen Union spielt und in welcher Form es in heutigen supra-nationalen, nationalen und regionalen Vorstellungen von grenzüberschreitender Regionalisierung präsent ist. Karelien kann als Paradebeispiel für das Aufeinandertreffen verschiedener Formen der Regionalisierung, der Staatsbildung wie auch der Definition der Ost-West-Konfrontation gelten. Seine Territorialisierungsmuster haben immer auch die Machtverschiebungen innerhalb des europäischen Staatensystems reflektiert. Das historische Erbe der Region umfasst seit seiner doppelten imperialen Vergangenheit bis nach dem Kalten Krieg verschiedene Formen der Bestimmung dieser räumlichen Einheit: als regionale Gemeinschaft mit eigenen ethnischen, sprachlichen und religiösen Besonderheiten; als Grenzland, das von rivalisierenden Staaten und sich überlagernden nationalisierenden Ansprüchen geteilt wird; und schließlich als Berührungspunkt und Trennlinie zwischen Ost und West. Das Ende des Kalten Krieges und die Effekte der EU-Regionalpolitik brachten neue Formen der marktorientierten Regionalisierung hervor, wobei die EU die verschiedenen territorialen Ebenen hierarchisch organisierte und in hohem Maße die wechselseitigen historischen Verbindungen, Brüche und Konflikte ignorierte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, der Einführung der EU-Regionalpolitik, einschließlich der neuen Nachbarschaftspolitik, und der Einrichtung der Euroregion Karelien im Jahr 2000 entstanden neue Formen des Austauschs in der Grenzregion. Grenzüberschreitende Kooperation, maßgeblich geprägt durch die Verlagerung des Schwerpunkts weg von einer nationalstaatlich dominierten Außenpolitik hin zu Mehrebenenstrukturen und -netzwerken die von unabhängigen Akteuren gebildet werden, hat die Rolle der mittleren Ebene gestärkt. Die Ziele der impulsgebenden Akteure dieser grenzüberschreitenden Praktiken waren dabei nicht auf die Herausbildung eines regionalen Grenzregimes begrenzt, sondern berührten auch zentrale Fragen europäischer und nationaler Identitätspolitik. Der Aufsatz plädiert für die Anerkennung der historischen und politischen Wechselbeziehungen, Brüche und Konflikte zwischen unterschiedlichen Verständnissen der territorialen Bezüge und unterstreicht die Notwendigkeit komparativer Studien zur politischen Sprache der grenzüberschreitenden Kooperation.

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Published

01. May 2017

How to Cite

Liikanen, I. (2017). The Clash of Territorialities. Comparativ, 17(4), 56-71. Retrieved from https://www.comparativ.net/v2/article/view/129