Abstract

Der Autor erörtert die laufenden Debatten zur Great Divergence und die Schwierigkeiten, eine überzeugende komparatistische Strategie zu formulieren, die die einfache Opposition von zwei Fällen überwindet und das Problem der Falsifizierbarkeit adressiert. Weder sei es weiterführend, alles an einer europäischen Entwicklung zu messen, noch die englische Erfahrung mit der Gesamtheit Westeuropas in eins zu setzen. Um falsifizierbare Aussagen treffen zu können, gelte es etwa die Organisation des Fernhandels und seine Institutionalisierung in China und Europa zu vergleichen. Als zentrale Differenz arbeitet der Autor heraus, dass China ein einheitlicher Staat war, Europa dagegen politische Fragmentierung erlebte, die wiederum Krieg und den daraus folgenden Bedarf an Kapital und Arbeit in den Städten sowie eine dringendere Nachfrage nach Technologien nach sich zog. Im Unterschied zu Pomeranz sieht er hier die Ursprünge modernen Wirtschaftswachstums. Allerdings spielte für die britische Baumwollindustrie die Beziehungen nach Asien und Nordamerika eine wichtige Rolle, da die britische Industrie mit den niedrigen Arbeitskosten in Indien konkurrieren musste, woraus sich der rigorose Merkantilismus ergab, der positive, wenn auch unintendierte Effekte für das Wirtschaftswachstum hatte. Allerdings zeigt der Vergleich, dass andere Weltregionen vor anderen Problemen standen und mit anderen Kombinationen von Wissen und Problemlösungen reagierten. Dies führt zur Unterscheidung zwischen der Great Divergence als einem spezifischen Phänomen und einer allgemeinen Transformation, womit vermieden werden könne, in die Falle der Frage zu tappen, warum China nicht Großbritannien geworden sei.

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Published

2016

How to Cite

Wong, R. (2016). Divergence Displaced. Patterns of Economic and Political Change in Early Modern and Modern Global History. Comparativ, 26(3), 71-100. https://doi.org/10.26014/j.comp.2016.03.04