Transfer and Translation

The Challenges of Translating Europe

  • Dina Gusejnova

Abstract

Der Beitrag betrachtet die Arbeit mit der Sprache in Hermann Keyserlings psychogeographischer Studie Das Spektrum Europas und ihren Übersetzungen ins Französische, Spanische und Englische. Theoretisch als ein Werk des postimperialen Zeitalters gewertet, lässt sich anhand einiger Beispiele nachvollziehen, wie hierarchisch die in diesem Werk zur Schau gestellte Mehrsprachigkeit ist. Daraus ergibt sich eine intellektuelle Einstellung, die man komplementär zur postkolonialen Theorie als eine Art elitärer Subalternität bezeichnen könnte. Keyserling stilisiert sich zu einem deutschsprachigen, über den Nationen stehenden Aristokraten, der den anderen europäischen Stimmen zum Klang verhilft und diese gleichzeitig abwertet. Dank seinen Übersetzern erreichte Keyserlings Werk ein weltweites Publikum. Im zweiten Teil wendet sich der Aufsatz einer biographischen Untersuchung seiner Übersetzer zu, in deren Werk nicht nur die deutsche Kultur, sondern auch die jüdische Identität von Bedeutung ist. Als mögliches Motiv für ihr Interesse an dem Text lassen sich Keyserlings ambivalente Aussagen zum Judentum anführen. In der Übersetzung zeigt sich Keyserlings Umgang mit der deutschen Sprache anders, weil das Deutsche damit von der Meistersprache des Textes zu einer unter vielen ethnographisch zu untersuchenden vernakulären Sprache herabgestuft wird. Die Übersetzer werden damit noch mehr als gewöhnlich zu Mitautoren von Keyserlings Psychogeographie und unterminieren gleichzeitig die oben als elitäre Subalternität bezeichnete Pose des Autors.

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Published

2015

How to Cite

Gusejnova, D. (2015). Keyserling’s Keywords:. Comparativ, 25(2), 29-44. https://doi.org/10.26014/j.comp.2015.02.03