Doing culture under state-socialism: Actors, events and interconnections

The “Dissident Biennale”, Venice, 1977

  • Edit Sasvári

Abstract

Osteuropa durch westlichen Blick. Die “Dissident Biennale”, Venedig, 1977

Die „Biennale del Dissenso“ war 1977 der ambitionierte Versuch des damaligen Biennale-Vorsitzenden Carlo Ripa di Meana, das doppelgesichtige Profil der venezianischen Großausstellung radikal zu erneuern. Diese Veranstaltung war schon immer sowohl repräsentativ-mainstream als auch wegen des Wettkampfes der teilnehmenden Nationen politisch geprägt gewesen. Ripa di Meanas Vorhaben war es nun, diesen politischen Aspekt zu betonen, ihn allerdings anders und neu zu definieren. Unter seinem Vorsitz wurde die Politisierung zum Programm der sonst eher traditionell angelegten Biennale Venedig, zum Beispiel durch das Thema der lateinamerikanischen Diktaturen oder die Kunst des östlichen Europa in den 1970er Jahren. Zugleich wurde damit westlichen Erwartungen entsprochen und ein politisches Verständnis der osteuropäischen Kunst stark gemacht, dem zufolge nur die Kunst als wertvoll gelten könne, die sich jenseits des offiziellen Kulturbetriebs der Diktaturen positioniert. Dies ist bis heute die dominante, wenn auch längst nicht mehr frisch wirkende Perspektive, die es zu überdenken gilt, u. a. deshalb, weil eine derartige Schilderung der „oppositionellen“ Kunst für die westliche Öffentlichkeit mehr von den Selbstbestätigungsversuchen und Legitimationsbestrebungen der westlichen Linksparteien der 70er Jahre motiviert war und weniger mit einer treffenden Darstellung und Einschätzung der Kunstsituation in Osteuropa zu tun hatte.

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Published

2014

How to Cite

Sasvári, E. (2014). Eastern Europe Under Western Eyes. Comparativ, 24(4), 12-22. https://doi.org/10.26014/j.comp.2014.04.02